Es weihnachtet sehr – überall wird gewichtelt, zum Adventskaffee eingeladen, Weihnachtsgeschenke geplant und besorgt. Eine wunderbare Gelegenheit, darüber nachzudenken und zu sprechen, welche Rolle das Weihnachtsfest und andere christlich geprägte Feste in euren Einrichtungen spielen.

Wie ist es in eurer Kita?

Feiert ihr Weihnachten und christliche Feste gemeinsam? Begeht ihr im Kitajahr auch weitere religiöse Feste gemeinsam? Feiert oder thematisiert ihr vielleicht gar keine religiösen Feste im Kitajahr? Und was denkt ihr dazu?

Kerzen im Dunkeln

Der Hintergrund in Kitaeinrichtungen

Wir laden euch ein, kurz etwas genauer hinzuschauen: Im Jahr 2024 haben 29 Prozent der Kita-Kinder einen Migrationshintergrund – Tendenz steigend. Der Anteil an der Bevölkerung ist sogar noch höher. Zudem sinkt die Zahl der christlichen Taufen seit Jahrzehnten. Das heißt, es gibt bereits viele Kitas, in denen nur ein geringer Teil der Kinder mit ihren Familien Weihnachten feiern – für viele Familien sind andere Feste wichtig.
Damit wollen wir euch nicht auffordern, das Weihnachtsfest in eurer Kita abzuschaffen. Die Frage, die wir stellen wollen, ist:
Was lernen Kinder, die andere Feste feiern und diese nicht in der Kita thematisiert werden? Welche Botschaft senden wir nichtchristlichen Kindern? Was lernen sie darüber, inwiefern sie mit ihrer Familienkultur geschätzt werden? Was erfahren sie darüber, welchen Stellenwert ihnen in der Kita und der Gesellschaft zugeschrieben wird?

Denn Kinder konstruieren soziales Wissen über sich selbst und andere, indem sie Botschaften aus ihrer Lernumgebung auswerten. Dabei ist nicht nur entscheidend, was Kinder wahrnehmen, sondern auch, was nicht für sie wahrnehmbar ist.

„Weil Kinder von ihrem ersten Lebensjahr an aufmerksam beobachten, was um sie herum geschieht, wird das, was sie nicht sehen und hören, genauso bedeutsam wie das, was sie sehen und hören. Unsichtbarkeit löscht Identität und Erfahrung aus, Sichtbarkeit bestärkt Wirklichkeit. Darüber, wie sichtbar sie selbst und ihre Familien in der Umgebung sind, lernen Kinder, welchen Wert sie und ihre Familien haben.“

Louise Derman-Sparks 2014

Bildungseinrichtungen haben die Aufgabe, Kinder in all ihren Identitätsaspekten zu unterstützen – somit auch in ihre (Nicht-)Religiösität als wichtigen Teil der Familienkultur. Konkret bedeutet das, dass sich alle Kinder mit ihrer Familienkultur gesehen, repräsentiert und wertgeschätzt fühlen – das bedeutet Inklusion.

Also was nun: Sollen alle Feste gefeiert werden oder keins?

Letztlich ist die Frage nach dem Weihnachtsfest die Frage danach, wie wir mit Unterschieden in der Kita umgehen (wollen). Wichtig ist, dass das Ignorieren und Leugnen genauso wenig hilfreich ist, wie das Überbetonen von Unterschieden.

Das Institut Kinderwelten für diskriminierungskritische Bildung e.V. hat hilfreiche Tipps für den Umgang mit religiösen Festen.

Elisabeth im Workshop

Entscheidungshilfen zum Festefeiern in Kitas

Wenn ihr Lust habt, mit den Kindern einige Feste im Jahr zu feiern, findet ihr hier Anregungen für Entscheidungshilfen:

  • Welche Feste sind für die Kinder/Familien wichtig?

  • Welche Feste haben eine spezielle Bedeutung für Mitarbeiter*innen?

  • Welche Feste wurden/werden in Deutschland von vielen Menschen gefeiert?

  • Welche Anlässe werden im Umfeld bzw. Sozialraum der Einrichtung begangen?

  • Feste müssen keinen religiösen Hintergrund haben. Wie wäre es den Christopher Street Day zu feiern, den Black History Month oder den Internationalen Frauen*tag?

Fröhliche Feiertage – was auch immer ihr feiern werdet 😉