und was Teams dadurch gewinnen
„Mit Macht habe ich nichts zu tun.“ Diesen Satz hören wir oft, wenn wir mit pädagogischen Fachkräften ins Gespräch kommen. Und doch begegnet uns Macht in jeder Kita, jedem Hort, jedem Team – jeden Tag.
Die meisten Menschen, die in der Pädagogik arbeiten, verbinden Macht mit Kontrolle oder Missbrauch. Verständlich – schließlich haben sie ihren Beruf gewählt, um Kinder zu stärken und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, nicht um Macht auszuüben.
Und trotzdem: Überall, wo Erwachsene Verantwortung für junge Menschen übernehmen, entsteht Macht. Über Räume, Regeln, Tagesabläufe, Essen, Schlafenszeiten, Förderangebote – und darüber, welche Bedürfnisse gesehen werden und welchen Grenzen gesetzt werden.
Die Frage ist also nicht, ob wir Macht haben. Die entscheidende Frage ist: Wie gehen wir mit ihr um?
Ein unterschätztes Thema im Kinderschutz
MACHTbewusst basiert auf dem DRK-Curriculum „Was macht was?!“, entwickelt im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben von Anfang an“ von Anne Sophie Winkelmann und Johannes Neumann. Entstanden ist es aus einer Projektgruppe des Deutschen Roten Kreuzes, die sich intensiv mit Kinderschutz beschäftigt hat – und dabei feststellte: Macht ist ein zentrales, aber bislang zu wenig beleuchtetes Thema in Bildungskontexten.
Macht ist überall, auch im Team
Zwischen Erwachsenen und Kindern besteht immer ein Machtgefälle. Kinder sind auf Schutz, Orientierung und Fürsorge angewiesen – und genau diese Abhängigkeit kann dazu führen, dass wir als Erwachsene Grenzen der Kinder übertreten, ihre Bedürfnisse übergehen oder sogar abwerten. Oft passiert das unbewusst, im besten Wissen der Erwachsenen.
Auch innerhalb von Teams entstehen Machtgefälle: zwischen Leitung und Mitarbeitenden, zwischen erfahrenen und neuen Kolleg*innen, zwischen den Lauten und den Zurückhaltenden.
Machtgefälle selbst sind weder gut noch schlecht. Problematisch werden sie erst, wenn sie unbewusst bleiben – wenn Entscheidungen nicht erklärt werden, Beteiligung nur scheinbar stattfindet oder Kritik im Raum keinen Platz findet. Denn das manifestiert das Machtgefälle.
Kinderschutz beginnt nicht erst dort, wo Grenzen überschritten werden. Er beginnt dort, wo Erwachsene ihre eigene Wirkung reflektieren und sich ihrer Macht bewusst werden.
Was sich für Kinder verändert
Kinder erleben jeden Tag, wie Erwachsene mit ihrer Macht umgehen. Ob ihre Meinung zählt, ob sie Beteiligung erfahren oder sich ausgeliefert fühlen – all das prägt ihr Bild von Beziehungen und Demokratie.
Wenn Erwachsene ihre Macht reflektieren, entstehen sichere Räume für mehr Mitbestimmung, Selbstwirksamkeit, Vertrauen und respektvolle Grenzsetzung. Kinder lernen dadurch nicht nur, Regeln einzuhalten – sie lernen, dass ihre Stimme zählt.
Macht verschwindet nicht, wenn wir nicht über sie sprechen.
Aber sie kann zu etwas werden, das Sicherheit, Beteiligung und Entwicklung ermöglicht – wenn wir lernen, bewusst mit ihr umzugehen. Es geht nicht darum, perfekte Teams zu schaffen. Es geht darum, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen: für die eigene Wirkung, für die Beziehungen im Team – und für die Kinder, die uns jeden Tag anvertraut werden.

