
Ein Einblick in unsere Arbeit – Die Kita Lichtgarten
Es ist ein heller Morgen, als wir den Flur der Kita Lichtgarten betreten. Silke und Marita, die Leitungen, stehen noch kurz in der Küche zusammen und besprechen etwas, bevor sie uns herzlich begrüßen.
Im Gruppenraum stehen die Stühle bereits im Kreis. Auf den Tischen am Rand warten Schalen mit Obst, Gemüse, kleinen Leckereien und Getränken. Während wir Methodenmaterialien und Flipcharts vorbereiten, flutet die Sonne durch die großen Fenster. Im Hintergrund läuft leise Musik – Tommy Emmanuel spielt seine besten Songs.
Wir schauen gemeinsam auf die Zeit seit unserem letzten Treffen. Was ist gut gelungen? Was hat sich verändert? Worauf ist das Team stolz? Während die Sonne durch die Fenster scheint und die Fachkräfte erzählen, was in den letzten Wochen gut funktioniert hat, was besser läuft und wofür sie dankbar sind, sitzen Sarah und ich einen Moment still da.
Es liegt diese besondere Stimmung in der Luft, die sagt: Heute wird ein guter Tag.
Adultismus – die einzige Diskriminierungsform, die jede und jeder von uns selbst erlebt hat
Wir schaffen Räume, in denen die Fachkräfte sowohl adultistische als auch gleichwürdigere Formen des Umgangs miteinander erfahren können. Dann richten wir den Blick auf den Alltag in der Kita.
Ein Kind weigert sich, sich anzuziehen. Zwei Kinder streiten um ein Spielzeug. Kurz vor dem Mittagessen wollen plötzlich alle gleichzeitig etwas. Was darf eine Fachkraft entscheiden? Wo braucht es klare Führung? Und wo können Kinder mehr beteiligt werden?
Wir sprechen darüber, wie schnell in solchen Situationen Druck entsteht – und wie leicht Macht unbewusst eingesetzt wird. Gleichzeitig entdecken wir gemeinsam, wie viele Möglichkeiten es gibt, Situationen anders zu gestalten. Dabei wird auch sichtbar, dass es im Team unterschiedliche Haltungen gibt – und genau darin liegt ein großes Lernpotenzial.
Ein neuer Blick auf Macht in Kitas
Als wir am Ende des Tages zusammenstehen, sagt eine Fachkraft aus dem Lichtgarten-Team: „Ich glaube, ich gehe Montag mit einem ganz anderen Blick in meine Gruppe.“
Für uns als Trainerinnen für Demokratieförderung sind solche Momente der Kern unserer Arbeit. Wenn Teams beginnen, gemeinsam über ihre Haltung nachzudenken, entsteht etwas sehr Kraftvolles: Offenheit. Verständnis füreinander. Und der Wunsch, pädagogische Beziehungen bewusst zu gestalten.
Die Kita Lichtgarten hat diesen Prozess mit großer Neugier und Ehrlichkeit angenommen. Und genau darin liegt die Stärke solcher Teams: Sie sind bereit, sich selbst zu hinterfragen, voneinander zu lernen und ihre pädagogische Praxis weiterzuentwickeln.
So entstehen Orte, an denen Kinder nicht nur betreut werden – sondern gehört, ernst genommen und in ihrer Entwicklung begleitet werden.
